Interview mit Pater Peter in der Rheinischen Post vom 20.6.2008

Hamminkeln
Kloster steht mitten im Leben

<strong>Pater Peter</strong>

Pater Peter (52) gehört seit 30 Jahren dem Orden der Karmeliter an.

Hamminkeln (RP) Die Patres des Karmeliter-Ordens in Marienthal beteiligen sich am Mittsommer-Markt. Sie verstehen sich als Teil der Dorfgemeinschaft. Die Grenzen zwischen geistlichem und weltlichem Leben sind flie ßend. Wer möchte, kann Gast des Konvents sein.

Am Wochenende ist wieder Mittsommer-Markt in Marienthal. Am Programm beteiligen sich mehrere Orden, die ihre Produkte vorstellen. Die Patres aus dem Ort bieten Likör und Marmelade an und öffnen ihren Garten für die Besucher. Über die Rolle des Karmeliter-Klosters im Dorfleben sprach RP-Redakteur Gerd Heiming mit Pater Peter (52).

Warum zeigen Sie und Ihre beiden Mitbrüder am Wochenende Gesicht?

Pater Peter Scherzhaft gesagt: Weil wir deutlich machen wollen, dass es Ordensleute nicht nur im Karneval gibt, sondern auch im wirklichen Leben. Ernsthaft gesprochen: Wir wollen Ansprechpartner für die Menschen sein. Da wäre es falsch, sich zu verstecken.

Wer kommt zum Kloster?

Pater Peter Immer wieder erleben wir es, dass bei uns Leute schellen, wenn sie Probleme haben. Dann bieten wir ihnen ein Gespräch an, manchmal geschieht das ganz spontan. Viele finden auch den Weg zu uns, wenn es ans Eingemachte geht, also um lebenswichtige Fragen. Dann besteht auch die Möglichkeit, bei uns zu Gast zu sein. Auf Wunsch bieten wir geistliche Begleitung an. Das heißt, der Gast bekommt einen Impuls aus der Bibel, lässt den Text auf sich wirken und erzählt anschließend, was er in ihm ausgelöst hat.

Wie ist die Verbindung der Patres zu den Marienthalern?

Pater Peter Wir sind Teil der Dorfgemeinschaft Marienthal. Die Leute kennen uns und wissen, dass wir nichts Besonderes sind und keinen Heiligenschein tragen. Das denken ja manche, die uns ferner stehen. Aber wir sind keine besseren Menschen. Im Gegenteil kann zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter ein sehr viel größeres Vorbild sein als ein Ordensmann. Jedes Jahr feiern wir mit unseren Nachbarn am 8. Mai im Kreuzgang den sogenannten Klostergeburtstag. Es kommen dann immer um die 80 Leute zusammen.

INFO

Im Marienthaler Kloster wohnen drei Patres. Die Karmeliter zogen am 8. Mai 1986 dort ein.

Damit endeten 180 Jahre ohne Ordensleute. Bis 1806 hatten Augustiner-Eremiten in dem Gebäude gelebt. Danach war es Pfarrei.

Also ist das Bild vom Kloster als Einsiedelei grundfalsch.

Pater Peter Jedenfalls trifft es auf uns nicht zu. Schließlich sind wir ja auch die Pfarrgemeinde, zu der 1600 Katholiken zählen. Es gibt viele sehr aktive Gruppen hier und drei Chöre. Es finden Taufen, Erstkommunionfeiern, Firmungen, Hochzeiten und Beerdigungen statt. All das ist Garantie dafür, dass wir drei Patres nicht weltfremd werden. Ohnehin sind geistliches und weltliches Leben nicht so genau zu trennen.

Musik

Hier spielt die Musik: Der Platz vor dem Kloster (links) ist oft Schauplatz für Groß-Veranstaltungen in Marienthal. So war es, als der Ort im August 2006 sein 750-jähriges Bestehen feierte. RP-Fotos (2): Archiv

Drückt das auch die Ordensregel der Karmeliter aus?

Pater Peter Das Leitwort des Ordens lautet: „Gott lebt, und ich stehe vor seinem Angesicht.“ Das bedeutet: Gott ist mein fürsorgender Begleiter, nicht mein strenger Beobachter. Er liebt mich, wie ich bin mit all meinen hellen und dunklen Seiten. Es bedarf eines langen Prozesses, das zu begreifen und darauf zu vertrauen. Dazu gehört, sich selbst zu akzeptieren. Dann kann man auch andere Menschen so nehmen, wie sie sind. Auch wir Ordensleute sind damit noch nicht fertig und befinden uns auf dem Weg.

Wie sieht das geistliche Leben im Kloster aus?

Pater Peter Es gibt regelmäßige Gebetszeiten. Der Tag beginnt um 6.30 Uhr mit einer Meditation. Es folgen die Laudes um sieben Uhr, die heilige Messe um acht Uhr und das Mittagsgebet, die Sext, um 11.45 Uhr. Um 18.30 Uhr folgt die Vesper. An der Messfeier und am Chorgebet kann jeder teilnehmen. Die Klosterkirche ist übrigens von morgens bis abends geöffnet.

Und sie birgt sehenswerte Kunst.

Pater Peter Ein Vermächtnis von Pfarrer Augustinus Winkelmann, der viele Künstler nach Marienthal geholt hat. Wir bemühen uns, diese Tradition fortzuführen. Einmal im Jahr zeigen wir Kunst im Kreuzgang. Derzeit läuft die aktuelle Ausstellung mit Werken verschiedener Künstler zum Thema Auferstehung. Sie ist Teil unserer Führungen, die wir mehrmals in der Woche für Gruppen aus dem Ruhrgebiet, vom Niederrhein und aus Westfalen machen. Auch dies zeigt: Wir sind keine Exoten, sondern normale Menschen, die halt eine Kutte tragen.

Immer?

Pater Peter Im Haus und auf dem Klostergelände tun wir drei das, weil es uns angemessen erscheint. Aber natürlich trage ich auch schon mal Jeans und Hemd.